Liebe Besucherin, lieber Besucher von psychiatrie-nussknacker.de. Im Folgenden geht es um eine bedenkliche Entwicklung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, nämlich um die Verabreichung der chemischen Substanz Risperidon (Handelsname: RISPERDAL®) bei Kindern und Jugendlichen mit sogenannten "disruptiven" Störungen.
|
Die Medikation wird meistens damit begründet, dass die Kinder nicht in der Lage seien,
|
|
Man spricht dann auch gerne von einer impulsiven
Störung des Sozialverhaltens:
Die Kinder stellten nicht nur eine Gefahr für sich selbst, sondern auch für ihre Umwelt dar.
|
Wie konnte es dazu kommen?
|
Seitens JANSSEN-CILAG bestand ein erhebliches Interesse daran, für Risperidon nicht nur in den USA, sondern eine möglichst weltweite Marktzulassung für die Anwendung an Kindern zu erhalten. Bis Ende der 90er Jahre wurde das Medikament in Europa eingesetzt zur Behandlung der Schizophrenie und anderer psychotischer Störungen, in der Gerontopsychiatrie bei Patienten mit Demenz, um Aggressivität (verbale "Ausbrüche", körperliche Gewalt) einzudämmen, und seit etwa 2003 als Zusatztherapie zu Stimmungsstabilisation bei akuten manischen Episoden (in Verbindung mit bipolaren Störungen). |
|
Zur Erweiterung der Anwendungsmöglichkeiten sind ungefähr ab dem Jahr 2000 zahlreiche europäische Kinder- und Jugendpsychiatrien von dem Pharmakonzern beworben worden, die Auswirkungen von Risperidon bei Kindern, die Auffälligkeiten im Sozialverhalten und der Impulskontrolle zeigen, im Rahmen einer Studie "erforschen" zu helfen. |
|
Es war ein cleverer Schachzug des Pharmakonzerns, die erstrebte Marktzulassung für Kinder ab 5 Jahren mit einer Erweiterung des Anwendungsbereichs zu verbinden: So sollte das Medikament nun auch eingesetzt werden zur symptomatischen Behandlung von "impulsiven& quot; Störungen des Sozialverhaltens, des
oppositionellen Trotzverhaltens und anderem sozial störenden Verhalten, mit der Einschränkung, dass eine im unteren Normbereich liegende intellektuelle Leistungsfähigkeit oder eine mentale Retardierung vorhanden sein sollte.
Die groß angelegte, in der Öffentlichkeit jedoch kaum bekannte
Studie
wurde in Deutschland von einer sog. "Ethikkommission"
als unbedenklich eingestuft. Inzwischen ist Risperidon (in Deutschland unter dem Handelsnamen RISPERDAL®) für Kinder ab 5 (!) Jahren, welche die genannten Verhaltensprobleme zeigen, tatsächlich zugelassen.
Doch damit nicht genug: die Verabreichung der chemischen Substanz an Kinder ab 5 Jahren wird im Prinzip auch bei vernachlässigten, misshandelten und sexuell missbrauchten Kindern für möglich angesehen, wenn diese Kinder als Folge der Misshandlung etc. zu einem impulsiven sich selbst verletzenden Verhalten neigen (Quelle: AWMF online, Hrsg.: Dt.Ges.f.Kinder- und Jugendendpsychiatrie und Psychotherapie u.a.).
|
Für die ambulante und stationäre psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen wirkt sich, wie in vielen anderen Lebens- und Arbeitsbereichen auch, der zunehmende "Spardruck" unglücklich aus. Gleichzeitig scheinen die sogenannten Störungsbilder "heftiger
" geworden zu sein. So lässt sich nachvollziehen, dass die wenig zeitaufwendige und mit einem Minimum an therapeutischem und pflegerischem Personal zu leistende Verabreichung von chemischen Präparaten
|
|
Die Befürchtung, dass die Verschreibungen von Risperidon- Substanzen nicht nur in der kinder- und jugendpsychiatrischen, sondern vor allem auch in der kinderärztlichen Behandlungspraxis steigen wird, folgt aus den Erfahrungen mit der Verschreibungspraxis von Methylphenidat-Substanzen
|
|
Neben der gesellschaftlichen, ethischen und auch humanwissenschaftlichen Fragwürdigkeit des Einsatzes von Neuropharmaka an Kinder mit sozial auffälligem Verhalten muss aber auch ganz einfach die Frage gestellt werden, ob Risperidon wirklich so unbedenklich einerseits und wirkungsvoll andrerseits bei Störungen des Sozialverhaltens ist, wie es gerne behauptet wird. Die Pharmaindustrie dürfte kaum ein Interesse an Studien haben, welche längerfristig die Auswirkungen auf den sich noch entwickelnden kindlichen Organismus untersuchen. Dass derartige Nebenwirkungen von Risperidon alles andere als "unwahrscheinlich", "vernachlässigenbar " usw. sind, lässt sich nicht nur aufgrund von Hinweisen aus der "Riseridon-Studie" vermuten, sondern auch aufgrund von Erfahrungsberichten, die von erwachsenen Patienten vorliegen, welche längerfristig Risperidon erhalten. Erfahrungen über Art und Umfang möglicher Langzeitschäden bei Kindern bei Verabreichung von Risperidon sind dagegen so gut wie nicht bekannt. |
|
psychiatrie-nussknacker.de bittet Eltern, deren Kind aufgrund einer Störung des Sozialverhaltens etc. Risperidon (Handelsname RISPERDAL®) erhalten hat oder noch bekommt, um Informationen über ihre Erfahrungen mit der Verabreichung dieses Neuropharmaka. Wir würden uns auch freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen, Meinung oder Fragen auf der
Diskussionsseite
mitteilen würden (auch wenn Sie vielleicht eine andere Auffassung vertreten als wir). Auf diese Weise besteht die Chance, dass andere BesucherInnen der Seite an Ihren Erfahrungen teilhaben oder sich mit Ihrer Meinung auseinandersetzen können. Die Beiträge können anonym sein und sollten sich an die "Chat-Etikette" halten. Wenn Sie eine Kontaktaufnahme möchten, können Sie auch Ihre e-Mail-Adresse angeben.
www.psychiatrie-nussknacker.de dankt Ihnen für den Besuch der Seite.