Dazu ein Auszug aus der Werbeseite 2004 von Janssen-Cilag (www.risperdal.de):

"Die Zwischenergebnisse einer noch laufenden multizentrischen, internationalen offenen Langzeitsicherheitsstudie weisen darauf hin, dass Risperidon bei diesem so genannten disruptiven Verhalten eine Behandlungsalternative eröffnet. An der Studie nehmen 319 Kinder im Alter von 4-14 Jahren teil. Die Kinder hatten einen verminderten Intelligenzwert zwischen 35 und 84 und erfüllten die Diagnose "disruptive behavior disorder" nach DSM-IV. Die Behandlung erfolgte in einer mittleren Tagesdosis von 1,64 mg Risperidon."

In einem Querverweis (Nervenheilkunde 2/2003 der Schattauer GmbH; leider ist online nur diese erste Seite des Artikels abrufbar) heißt es weiter:

"Der Übergriff »disruptive behavior disorders« wurde im DSM IV neu eingeführt. Er umfasst vor allem Verhaltensstörungen (conduct disorders) sowie oppositionelle Störungen (oppositional define disorder = ODD) und nicht näher präzisierte disruptive Verhaltensweisen. Insgesamt ist damit eine Vielzahl von persistierenden antisozialen Verhaltensweisen gemeint, die sowohl Aggression, Zerstörung wie auch allgemeine Regelverletzung beinhalten."

Dazu folgende Anmerkungen von psychiatrie-nussknacker.de (siehe auch ausführlicher unter "Risperidon-Kritik":

Die Variationsbreite (range) der angegebenen Intelligenzwerte ist erheblich (49 Wertpunkte) und dürfte deutlich unter den Testwerten der üblichen Klientel von Kinderärzten liegen. Es ist zu bezweifeln, dass das Neuropharmakon nur dann eingesetzt wird, wenn ein Kind oder Jugendlicher Intelligenz-Testwerte im unteren Normbereich aufweist, d. h. Werte deutlich unter einem Testwert von IQ<85 in einem Intelligenztest erreicht hat.

Die "mittlere Tagesdosis", welche in der Studie verabreicht worden ist, liegt deutlich über den andernorts veröffentlichten Dosierungsempfehlungen, so dass die Frage aufgeworfen wird, wie "verbindlich" die Dosierungsempfehlungen sind, wenn im Zusammenhang mit der Studie die oben stehenden Werte publiziert werden. Richtet sich die Dosierung vor allem danach aus, wann ein Kind hinreichend "ruhig gestellt" erscheint? Ab einer gewissen Dosierung wird dieser Effekt natürlich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit eintreten (sozusagen bei "jedem" Menschen...).

In Deutschland ist für Krankenkassenleistungen die Diagnosestellung nach der ICD-10 verbindlich. In der ICD-10 findet sich das "Störungsbild" der "disruptive behavior disorders" nicht, auf das die Studie Bezug nimmt. Die Studie ist vermutlich deshalb nach dem amerikanischen Diagnosemanual DSM-IV durchgeführt worden, weil der Mutterkonzern der JANSSEN-CILAG (JOHNSON & JOHNSON) in den USA ansässig ist und in den USA die Störungen nach DSM-IV kodiert werden. Ob die "disruptive behavior disorders" möglicherweise eigens für die Forschungsinteressen der US-amerikanischen Pharmaindustrie geschaffen worden sind, lässt sich allerdings nicht beweisen.