Die Diagnosekategorie Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen (F91.2) beinhaltet nach den Klassifikationskritierien der
ICD-10
Störungen des Sozialverhaltens mit andauerndem dissozialem oder
aggressivem Verhalten bei Kindern bzw. Jugendlichen, die im Großen und Ganzen
gut in ihrer Altersgruppe eingebunden sind. Hauptdifferenzierungsmerkmal sind angemessene andauernde Freundschaften mit Angehörigen etwa gleichen Alters. Oft besteht diese Bezugsgruppe (Peers) aus delinquenten oder dissozialen Kindern bzw. Jugendlichen. Das gestörte Verhalten wird von dieser Gruppe gutgeheißen oder sogar erwartet. Dieses ist jedoch keine notwendige Bedingung für die Diagnose.
Es kann auch der Fall sein, dass das Kind bzw. der Jugendliche einer nichtdelinquenten ("unauffälligen") Gruppe Gleichaltriger angehört; sein eigenes dissoziales Verhalten trittt dann außerhalb dieses Rahmens
auf.
Manchmal bestehen gestörte Beziehungen zu den "Opfern" oder zu einigen anderen
Kindern (beispielsweise beim Tyrannisieren u. ä.). Das schließt die Diagnose
"... bei vorhandenen sozialen Bindungen" jedoch nicht aus. Es ist ausreichend, wenn sich
das Kind /der Jugendliche zu irgendeiner Gruppe loyal verhält und anhaltende Freundschaften hat.
Die allgemeinen Kriterien für
F91
müssen erfüllt sein. Es darf
sich nicht nur um ein oppositionelles, aufsässiges und trotziges
Verhalten handeln.