Reduktionismus
Reduktionismus bedeutet eine wissenschaftstheoretische Denkweise, nach der alle Phänomene der Welt im Prinzip durch eine grundlegende Wissenschaft, die Mikrophysik, zu erklären seien.
Diese Denkweise ist alt, man findet sie bereits ausformuliert bei Descartes (um 1620): wenn eine Wissenschaft A auf die Wissenschaft B reduziert worden ist und die Wissenschaft B auf die Wissenschaft C, so ist dadurch die Wissenschaft A auch auf die Wissenschaft C reduziert worden. Wenn man diesen Gedankengang weiter geht, folgt daraus für Anhänger des Reduktionismus die These, dass sich selbst soziale Zusammenhänge im Prinzip auf die (Mikro)Physik reduzieren lassen.
Für den Bereich der Wissenschaft Psychologie wird beispielsweise versucht, die Psychologie auf die (Neuro)Biologie zurückzuführen. Dieser Denkansatz findet sich in der medizinischen Psychiatrie wieder. Dort wird versucht, psychische Phänomene auf neuro-biologische Vorgänge zu "reduzieren". Mittels chemischer Substanzen (siehe Neuropharmaka) werden wiederum die neuro-biologischen Vorgänge zu beeinflussen versucht in der Annahme, dadurch auch die seelischen Prozesse zu verändern oder zu "heilen".
Vertreter des heutigen Reduktionismus sehen die Zurückführung aller Wissenschaften auf eine einzige Einheitswissenschaft eher als ein Ideal an, also als etwas, das sich theoretisch verwirklichen ließe, jedoch praktisch, d. h. durch die menschliche Forschung, nicht zu erreichen sein wird.
Der Reduktionismus war über weite Teile des 20. Jahrhunderts für die gängige Wissenschaftstheorie die einzig wahre Position. Seit etwa 30 Jahren werden jedoch anti-reduktionistische Positionen immer verbreiteter. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass sich die Wissenschaften im 20. Jahrhundert nicht vereinheitlicht (reduziert) haben, wie es nach der Theorie des Reduktionismus der Fall sein müsste, sondern eher die gegenteilige Entwicklung eingetreten ist: die vorhandenen Wissenschaften haben sich vielmehr immer stärker ausdifferenziert (Diversifikation). Zum anderen ist aber auch gezeigt worden, dass sich beispielsweise Einzelwissenschaften wie etwa die Psychologie prinzipiell nicht auf die Mikrophysik (Neuro-Biologie) reduzieren lassen.
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