Wertauffassungen von psychiatrie-nussknacker.de



Die Ausrichtung von psychiatrie-nussknacker.de ist psychologisch und nicht psychiatrisch. Da es "die" Psychologie, unter der sich alle dasselbe vorstellen, in dieser Form nicht gibt, noch eine weitere Bemerkung zur Ausrichtung: psychiatrie-nussknacker.de bevorzugt einen psychologischen Zugang, bei dem Personen, egal ob Erwachsene oder Kinder, in ihrer Gesamtheit (und nicht zerlegt in irgendwelche Symptome) zu verstehen versucht werden. Insofern ist auch nicht eine Aufteilung von Menschen in "mit" und "ohne" Störung zentral.

Allerdings sind es im Lebensalltag meistens die "ungelösten" belastenden seelischen Probleme, deretwegen ein Psychotherapeut oder Psychiater aufgesucht wird. Insofern ergibt sich eine gewisse Berechtigung, sich besonders diesen Problemen zuzuwenden, die oft mit Irritationen im Denken, Erleben und Verhalten verbunden sind. psychiatrie-nussknacker.de möchte aber vermeiden, eine Person, egal ob Erwachsener oder Kind, durch deren Problem (oder "Symptom") zu charakterisieren (also nicht: "Wie geht's denn unserem Zappelphilipp heute…").



Was ist seelische Gesundheit?

Wenn es um Psychotherapie geht, geht es vor allem auch um die Frage, was seelische Gesundheit ist. Seelische Gesundheit ist das Ziel, auf das hin die Psychotherapie ausgerichtet ist oder ausgerichtet sein sollte. Seelische Gesundheit ist ein wesentliches Merkmal von Gesundheit an sich. Das klingt selbstverständlich und einleuchtend. Doch was bedeutet "Gesundheit"?


Es gibt verschiedene Versuche, darauf eine Antwort zu geben. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1946 ist "Gesundheit ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen." Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie der BRD (1997) versteht "Gesundheit als mehrdimensionales Phänomen", welches "über den Zustand der Abwesenheit von Krankheit hinaus" reicht.

Diese Begriffsbestimmungen sind sehr allgemein gehalten. Zur Erklärung dessen, was Gesundheit ist, werden neue Begriffe genannt, die ihrerseits erklärt werden müssten: Was bedeutet beispielsweise "vollkommenes körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden" oder worin besteht das "mehrdimensionale Phänomen"? Verfolgt man diese Gedanken weiter, erhält man sich immer weiter verzweigende und verschachtelnde Begriffe und Vorstellungen über Gesundheit bzw. über "seelische Gesundheit".

Wertauffassungen

Dabei wird eines deutlich: Die Klärung dessen, was seelische Gesundheit meint, ist mit bestimmten Wertauffassungen verbunden. Ein Merkmal von Wertauffassungen ist, dass sie sich durch empirische Untersuchungen nicht wissenschaftlich als "richtig" oder "falsch" beweisen lassen. Mit empirischen Untersuchungen kann man jedoch Auswirkungen erforschen, die bestimmte Werte z. B. auf die Gestaltung des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft oder auf die persönliche Lebensgestaltung haben. Auf diese Weise können empirische Untersuchungen dazu beitragen, unsere Wertauffassungen zu klären. Andrerseits ist es aber auch so, dass viele empirische Untersuchungen von Wertauffassungen geleitet sind. Wertauffassungen haben beispielsweise erheblichen Einfluss darauf, welche Fragestellungen und Inhalte eine Forschung überhaupt hat. Nicht immer äußern sich diejenigen, die ein Forschungsvorhaben in Auftrag geben oder leiten, zu ihren Wertauffassungen.

Wertauffassungen gibt es in allen Bereichen unseres Lebens. Sie betreffen jeden Menschen: nicht nur deshalb, weil jeder Wertauffassungen hat, sondern auch, weil Wertauffassungen von anderen Menschen oft übernommen werden, als seien sie die eigenen oder als handle es sich dabei um unumstößliche Wahrheiten.


Im Bereich der Psychotherapie stehen hinter eigentlich jeder Therapierichtung Wertauffassungen. Sie sind Teil des "Menschenbildes" einer Therapierichtung und haben daher meistens erheblichen Einfluss auf die Art und Weise, wie ein Therapeut arbeitet.


Wertauffassungen, die psychiatrie-nussknacker.de beeinflussen

Auch die Gestaltung dieser Website ist von Wertauffassungen beeinflusst. Diese Wertauffassungen lassen sich am ehesten der so genannten "humanistischen Psychologie" zuordnen. Die humanistische Psychologie ist neben der psychoanalytischen und der behavioristischen Psychologie die dritte Hauptrichtung innerhalb der Psychologie. Sie ist in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in kritischer Abgrenzung und als eine Art Gegenbewegung zum Wissenschaftsverständnis der Psychoanalyse und dem Behaviorismus entstanden. Es gibt verschiedene Kennzeichen und Grundannahmen in der humanistischen Psychologie, welche in allen Therapierichtungen, die sich auf der humanistischen Psychologie begründen, mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden sind. Einige dieser Kennzeichen sind beispielsweise,

  • dass der Mensch ein ganzheitliches Wesen ist, also nicht lediglich zusammengesetzt aus verschiedenen "Teilen" gesehen und verstanden wird.

  • dass in der Natur des Menschen ein Grundbedürfnis nach Selbstbestimmung liegt. Dieses Grundbedürfnis beinhaltet z. B. den Wunsch, das eigene Leben in größerem Ausmaß bestimmen und entsprechend handeln zu können, frei zu sein von Zwang und Dirigierung des Verhaltens durch andere, frei zu sein von Angst und Unterdrückung durch andere, frei zu sein von erheblichen inneren und äußeren Beeinträchtigungen (vgl. TAUSCH, Erziehungs-Psychologie 1991, S. 21).

  • dass die menschliche Natur niemals völlig bestimmt werden kann. Die humanistische Psychologie ist daher in ihrer Orientierung anti-reduktionstisch.

wissenschaftliche Ausrichtung von psychiatrie-nussknacker.de

Die kritisierte Risperidon-Anwendung weist auf eine bedenkliche Entwicklung im Umgang mit psychischen und verhaltensbezogenen Problemen hin. Dahinter stehen im Grunde genommen antiquierte Denkmodelle, die mittels neuer Begriffe und leider auch einer starken Pharma-Lobby als neuste wissenschaftliche Erkenntnisse über Ursachen und Behandlung von psychischen Beeinträchtigungen "verkauft" werden. Bei diesen Denkmodellen handelt es sich oft um reduktionistische Ansätze: so werden beispielsweise eine genetische Disposition, Funktionsstörungen im Gehirn und Neurotransmitter-Ungleichgewichte als die wesentlichen Einflussgrößen von psychischen und verhaltensbezogenen Problemen angesehen.

psychiatrie-nussknacker.de möchte anregen und ermutigen, derartigen Denkmodellen kritisch gegenüber zu treten. Es handelt sich nicht um ein spezielles Problem der Kinder- und Jugendpsychiatrie in dem Sinne, dass generell Kinder- und Jugendpsychiater Risperidon bei so genannten Störungen des Sozialverhaltens usw. verordnen oder eine solche Verschreibungspraxis befürworten. Auch manche Kinder- und Jugendpsychiater stehen der Risperidon-Verabreichung bei Störungen des Sozialverhaltens kritisch gegenüber. Es ist aber leider so, dass die kritisierte erweitere Marktzulassung für Risperidon wahrscheinlich ohne die Beteiligung der Kinder- und Jugendpsychiatrien nicht in der Weise möglich gewesen wäre, wie es jetzt der Fall ist.



Die wissenschaftliche und therapeutische Grundlage von psychiatrie-nussknacker.de ist vor allem die personzentrierte Psychologie und Psychotherapie. Die Therapierichtung ist auch bekannt als Gesprächspsychotherapie, Klientenzentrierte Psychotherapie oder als Personzentrierte Psychotherapie. Sie ist wissenschaftlich sehr gut erforscht und ihre therapeutische Wirksamkeit ist in zahlreichen Studien nachgewiesen. Das trifft auch für die bei Kindern und Jugendlichen angewandte Psychotherapieform zu, die allgemein bekannt ist als Klientenzentrierte oder Personzentrierte Spieltherapie.


Die personzentrierte Psychotherapie formuliert nicht nur, wodurch psychische "Störungen" entstehen können, sondern entwirft auch ein Modell (Ideal) der seelischen Gesundheit. Als Begründer der Personzentrierten Psychotherapie kann der amerikanische Psychologe Carl Rogers angesehen werden. In Deutschland haben wesentlich Annemarie und Reinhard Tausch zur wissenschaftlichen Erforschung und Weiterentwicklung der Gesprächspsychotherapie beigetragen. Der deutsche Fachverband für diese Therapierichtung ist die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie e.V. (GwG) .


Für die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie ist der Aspekt der Entwicklung von besonderer Bedeutung. Es existieren zahlreiche Untersuchungen, Theorien und Modelle zu den unterschiedlichsten Aspekten der menschlichen Entwicklung. Was sich unabhängig davon feststellen lässt: Kinder und Jugendliche sind in anderer Weise als Erwachsene "lernend", vermutlich unterscheiden sich die psychischen Prozesse von Kindern und Jugendlichen auch von denen Erwachsener.

Wenn es "Probleme" in der Entwicklung gibt, suchen in der Regel die Eltern oder andere in die Betreuung und Erziehung eingebundene Personen einen Behandler oder Berater auf, sehr selten dagegen geht der Impuls von Kindern und Jugendlichen aus. Eine zentrale Frage betrifft dabei häufig das "Scheitern" des Kindes oder Jugendlichen; deshalb ist diesem Aspekt auch ein Extra-Beitrag ("Gedanken über das Scheitern") gewidmet.



Wenn übrigens in psychiatrie-nussknacker.de von "der Behandler", "der Therapeut" etc. die Rede ist, dann ist diese Form der besseren Lesbarkeit wegen gewählt. Damit ist nicht beabsichtigt, "die Behandlerin" oder "die Therapeutin" auszugrenzen oder zu übergehen. Wer möchte, mag für sich die männliche Form gerne in die weibliche transformieren.

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